FF33: Braucht Sloweniens Landwirtschaft eine Soziale Betriebshilfe?

FF 33
Die Abnahme landwirtschaftlicher Arbeitkräfte führt oft zu verschärften Problemsituationen, wenn z.B. durch Tod, Krankheit, Unfall oder sonstigen nicht vorhersehbaren Ursachen ein im Betrieb tätiges Familienmitglied plötzlich ausfällt.
Oft gelingt es nicht mehr, kurzzeitig aus der Verwandtschaft, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft, eine fachlich ausreichend qualifizierte Ersatzarbeitskraft zu rekrutieren, welche unaufschiebbare Arbeiten in der Innen- und Außenwirtschaft aber auch im landwirtschaftlichen Haushalt übernehmen könnte.
Darüber hinaus steigt auch in der landwirtschaftlichen Bevölkerung das Bedürfnis nach Freizeit, Urlaub, Erholung und kultureller Partizipation. Immer mehr Bauern und Bäuerinnen, wünschen sich für einen oder mehrere Tage Abstand von ihrem Betrieb bei gleichzeitiger Sicherheit, dass ihr Vieh gut betreut bzw. alle notwendigen und unaufschiebbaren betrieblichen Arbeiten verrichtet werden.




In Österreich wurde die „Soziale Betriebshilfe“ der Maschinen- und Betriebshilferinge zu einem wichtigen Instrument der sozialen Sicherheit für LandwirtInnen.

Die Landwirtschaft Sloweniens unterliegt ähnlichen klimatischen, naturräumlichen und strukturellen Voraussetzungen wie jene Österreichs, wobei die Betriebe im Durchschnitt noch wesentlich kleiner sind.
Es überwiegen kleinbäuerliche Familien- und Nebenerwerbsbetriebe.

Mit dem politischen Übergang kam es in Slowenien in den Neunziger Jahren zu einer generellen Restrukturierung in der Wirtschaft und im Sozialversicherungssystem, von der auch die Landwirtschaft nicht ausgenommen blieb. Die Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen mussten neu ausgerichtet und modernisiert werden und für die in der Landwirtschaft Beschäftigten wurde ein eigenständiges Sozialversicherungssystem geschaffen.

In enger Anlehnung an mitteleuropäische Vorbilder entstand ein Netz an Maschinen- und Betriebshilferingen. Diese überbetrieblich organisierte Form der Nachbarschaftshilfe ist aber erst im Aufbau begriffen.
2003 gab es nach internen Angaben des Slowenischen Maschinenringverbandes landesweit insgesamt 45 Maschinenringe mit 5.528 Mitgliedern.
Dies bedeutet, dass weniger als 10% der LandwirtInnen Mitglieder in Maschinen- und Betriebshilferingen sind, Im Vergleich dazu  sind es in Österreich beinahe 40%.

Anders als in Österreich ist in Slowenien das System der sozialen Sicherheit für die bäuerliche Bevölkerung nur relativ wenig entwickelt. Dazu sind im ländlichen Raum komplementäre soziale Hilfsstrukturen wie Familien- oder Haushaltshilfe kaum vorhanden. Unter diesen Rahmenbedingungen könnte einer über Maschinen- und Betriebshilferinge organisierten Sozialen Betriebshilfe eine große Bedeutung zukommen, wenn es darum geht, die spezifischen Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Betriebe und Haushalte beim plötzlichen Ausfall einer zentralen, innerbetrieblich nicht ersetzbaren Arbeitskraft abzudecken.

In diesem Bericht werden die Ergebnisse einer explorative Bedarfsanalyse vorgestellt, die im Zuge eines von der Bayerischen Maschinenringakademie geleiteten EU-LEONARDO Projekts „Kompetenzaufbau im mittleren und oberen Management der überbetrieblichen Zusammenarbeit und bei Dienstleistungsangeboten der Landwirtschaft (Maschinenringe) durch eine standardisierte Fachausbildung in Europa (MR-Competence Europe)“ entstand.
 Geleitet  wurde die Untersuchung von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen in Zusammenarbeit mit der Slowenischen Landwirtschaftskammer, dem Land- und Forstwirtschaftsinstitut in Celje und dem Landwirtschaftlichen Fortbildungsinstitut Novo Mesto.
In den Monaten April/Mai 2003 wurden im Raum Celje Bauern und Bäuerinnen in halboffenen, qualitativen Interviews befragt. Die Ergebnisse konnten zum Teil mit einer von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen Mitte der Neunziger Jahre durchgeführten Studie zur Bedeutung der Sozialen Betriebshilfe in Österreich (Wiesinger 1995) verglichen werden.

von Georg Wiesinger / Marjan Dolenšek / Darija Trpin Švikart

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ff33 18.04.2013 4.72055 mb