Rezension des Buches "Almen in Österreich"

buch almen in oesterreich

(S. Schaber, H. Raffalt, Tyrolia Verlag, 2015 Innsbruck)
Michael Groier, 17.9.2015

Nach unzähligen Publikationen ist wieder einmal ein neues Buch über die österreichischen Almen bzw. die Almwirtschaft erschienen. Zweifellos genießt das Themenfeld Almwirtschaft auch bei unkundigen LeserInnen nach wie vor große Wertschätzung, da Almen neben ihren naturräumlichen Schönheiten und der dort produzierten Almspezialitäten immer schon als Projektionsflächen für teils romantisierte Sehnsüchte bzw. Reflexionen einer heilen, unverfälschten Berglandwirtschaft und Bergwelt dienten.

Dieses interessant geschriebene Buch, mit ansprechenden Fotografien angereichert, wählt als Herangehensweise zu dieser Thematik einen personenbezogenen Ansatz, der den LeserInnen die vielschichtige Welt der Almen anhand konkreter Biographien von Älplern bzw. almkundigen Personen erschließt. Anstelle einer umfassenden Dokumentation werden anhand weniger, aber gut recherchierter Beispiele sowohl wirtschaftliche und kulturhistorische Aspekte des Almlebens beleuchtet und anhand der interviewten Personen zum Leben erweckt.

Das Buch erzählt von einem bekannten Literaten, der seit 40 Jahren auf einer entlegenen steirischen Alm Vieh hütet, von einem bekannten Kulturwissenschaftler, der die legendären Schaftriebe von Süd- nach Nordtirol wissenschaftlich-historisch begleitet, von einem Märchen-, Sagen- und Geschichtenerzähler, der alte Mythen der Almregionen in seinen Erzählungen aufnimmt und weiterträgt. Es berichtet von einer Vorarlberger Bäuerin und Kräuterpädagogin, die mittels Kräuterseminaren und Medizinwanderungen auf einer Vorarlberger Alpe altes botanisches, medizinisches aber auch spirituelles Wissen über die Heilkräfte der Almflora weitergibt. Weiters führt uns das Buch in die Krimmler Tauern zu einem Bauern des Nationalparks Hohe Tauern, der auch das Krimmler Tauernhaus bewirtschaftet und den LeserInnen Einblicke in die Älplerkost bietet. Abgeschlossen wird die Almenreise mit dem, in den Kärntner Nockbergen liegenden, oft beschriebenen, fast archaisch anmutenden Kurbad Karlbad, einem guten Beispiel einer traditionell verankerten bergbäuerlichen Fremdenverkehrseinrichtung, die aber mit Almwirtschaft eher weniger zu tun hat.

Die Auswahl von besonders interessanten Persönlichkeiten (nur eine Frau) ergibt zwar spannende und besondere Geschichten, lässt aber das alltägliche, manchmal auch einsame Almleben, die Probleme der Almbewirtschaftung und die Mühseligkeit der Almarbeit etwas unterbelichtet.

Abschließend zu den „Almbiographien“ rundet eine nach Bundesländern geordnete Auswahl an bekannteren und besonders attraktiven Almen - quasi der Serviceteil des Buches – diese Publikation stimmig ab. Summa summarum ein empfehlenswertes Buch für interessierte EinsteigerInnen in die vielfältige Welt der Almen und Alpen Österreichs.