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Abgrenzung des Berggebietes

Mit dem EU-Beitritt musste von Österreich der gebietsbezogene Ansatz des gemeinschaftlichen Abgrenzungssystems übernommen werden. Da das einzelbetriebliche Kategorisierungssystem für die landwirtschaftliche Benachteiligung der Bergbauernbetriebe (System der Erschwerniskategorien) mit dem EU-System (Abgrenzung nach Gemeinden bzw. Gemeindeteilen) nicht vollkommen kompatibel war, erwies sich die Überleitung der bisherigen nationalen einzelbetrieblichen Abgrenzung in ein gebietsbezogenes System, unter Vermeidung von Verlusten für die bisherigen Bergbauernbetriebe, als ein schwieriges und zeitaufwendiges Verfahren.

Berggebiete gemäß den EU-Bestimmungen sind Gebiete, in denen aufgrund ungewöhnlich schwieriger klimatischer Bedingungen infolge der Höhenlage, starker Hangneigung des größten Teils der Flächen in geringerer Höhenlage oder ein Zusammentreffen dieser beiden Gegebenheiten die Möglichkeiten für eine Nutzung des Bodens erheblich eingeschränkt und die Arbeitskosten bedeutend höher sind.

Für Österreich wurden von der EU-Kommission entsprechend der Richtlinie 75/268/EWG als Kriterien für die Einstufung einer Gemeinde als Berggebiet eine Seehöhe von 700 m oder eine mittlere Hangneigung von 20% oder ein Zusammentreffen von mindestens 500 m Seehöhe und einer mittleren Hangneigung von mindestens 15% festgelegt. Vom Agrarministerrat wurde die Abgrenzung des landwirtschaftlich benachteiligten Gebietes am 29. Mai 1995 beschlossen. Der Anteil des Berggebietes an der Gesamtkatasterfläche Österreichs nach EU-Kriterien betrug nach dieser Abgrenzung demnach 70%. Tirol ist zur Gänze als Berggebiet eingestuft. In Kärnten, Salzburg und Vorarlberg beträgt der Anteil des Berggebietes an der Gesamtkatasterfläche jeweils über 90%, in der Steiermark 79%. Die Einstufung der Bergbauernbetriebe in vier Erschwerniskategorien (-zonen) als Differenzierung nach den Erschwernisverhältnissen innerhalb des Berggebietes blieb auch nach dem EU-Beitritt aufrecht (und wurde 2001-2002 durch den Neuen Berghöfekataster abgelöst). Zusätzlich wurde mit dem EU-Beitritt eine fünfte Kategorie (Basiskategorie) im Berggebiet festgelegt. Darunter fallen alle jene Betriebe, die nach der österreichischen einzelbetrieblichen Abgrenzung nicht als Bergbauernbetriebe eingestuft sind, aber gemäß EU-Gemeinschaftsverzeichnis im Berggebiet liegen. Damit hat sich einerseits mit dem EU-Beitritt auch die Zahl der förderbaren Betriebe erhöht, andererseits liegen nach der Abgrenzung des EU-Systems nicht alle Bergbauernbetriebe im Berggebiet bzw. im benachteiligten Gebiet.

Österreich hat im Juni 1996 bei der Europäischen Kommission einen Vorschlag zur "Nachjustierung der Benachteiligten Gebiete" eingebracht, dessen Ziel es war, für jene rund 2.200 Betriebe der Erschwerniszonen 1 bis 4, die bei der Erstabgrenzung des landwirtschaftlichen benachteiligten Gebietes nicht berücksichtigt werden konnten, eine EU-konforme Lösung zu erreichen. Die überwiegende Zahl dieser Betriebe befand sich in Ober- und in Niederösterreich. Bei den aufwendigen Verhandlungen konnte die Abgrenzung von 1.793 Bergbauernbetrieben erreicht werden. Insgesamt wurden durch diese Erweiterung der Abgrenzung rund 2.500 Betriebe neu in das benachteiligte Gebiet aufgenommen. Gemäß der Entscheidung der Kommission vom 4. Dezember 1997, betrug der Anteil des Berggebietes 58,0% und des gesamten benachteiligten Gebietes 69,4% an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Österreich.

Die folgenden Tabelle gibt einen Überblick über den sich daraus ergebenden Stand der Abgrenzung der benachteiligten Gebiete in Österreich.

Tabelle: Stand der Abgrenzung der benachteiligten Gebiete in Österreich im Jahr 1998

Kategorien der landwirtschaftlichen Benachteiligung gem. VO (EG) Nr. 950/97 Gesamtfläche in ha (Katasterfläche) in % der LN des benachteiligten Gebietes in % der gesamten LN

Berggebiete

  (Art. 23)
Benacht. Gebiete (Art. 24)
Kleine Gebiete (Art. 25)
Summe benacht. Gebiete
Nicht benacht. Gebiet

5.848.436
498.614
332.959
6.680.009
1.705.846

83,62
9,31
7,06
100,00

58,04
6,47
4,90
69,41
30,59

 

Gesamt

8.385.855 

 

100,00

 

Kategorien der landwirtschaftlichen Benachteiligung gem. VO (EG) Nr. 950/97 Gesamtfläche in ha (Katasterfläche) in % der LN des benachteiligten Gebietes in % der gesamten LN Berggebiete (Art. 23) 5.848.436 83,62 58,04 Benachteiligte Gebiete (Art. 24) 498.614 9,31 6,47 Kleine Gebiete (Art. 25) 332.959 7,06 4,90 Summe benachteiligte Gebiete 6.680.009 100,00 69,41 Nicht benachteiligtes Gebiet 1.705.846 30,59 Gesamt 8.385.855 100,00 Gebietsstand gem. Entscheidung der Kommission vom 4. Dez. 1997 (98/15/EG) Quelle: BMLFUW, Abt. II B6 Insgesamt liegen daher seit Dezember 1997 80% der Landesfläche Österreichs im benachteiligten Gebiet bzw. 70% im Berggebiet.

Bei den beiden Abgrenzungsrunden konnte Österreich einige Gemeinden, die aufgrund der Erschwernisindikatoren als kleine Gebiete in Frage kamen, nicht berücksichtigen können, da der Plafond von 4% der Gesamtfläche des Landes (der nach der VO (EG) Nr. 950/97 für kleine Gebiete zur Verfügung stand, bereits ausgeschöpft war. Da die VO (EG) Nr. 1257/99 für die kleinen Gebiete aber einen Plafond von 10% der Gesamtfläche vorsieht, hat Österreich diese Gebiete mit einem Flächenanteil von 1,4% der Gesamtfläche nunmehr einbezogen.

von Gerhard Hovorka (Grüner Bericht), Wien

{mosexpand:Weitere Arbeiten} 

Hovorka Gerhard, 2001: Keine Berglandwirtschaft ohne Ausgleichszahlungen. Evaluierung der Maßnahme Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten und Nationale Beihilfe, Forschungsbericht Nr. 47 der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien

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Keywords

Berggebiet

weiterführende Literatur

  • Hovorka Gerhard, Dax Thomas (2018) Landwirtschaft im Berggebiet. Bewertung ihrer sozialen und ökologischen Leistungen. In: Der Alm- und Bergbauer 6-7/2018. Juni 2018.

  • Nigmann, Th., Hovorka, G., Dax, Th. (2017) Analyse von biologischer Heumilchproduktion zur Erbringung öffentlicher Güter im österreichischen Berggebiet. In: SGA-SSE (Hg.): Unterlagen für die Tagung der SGA-SSE. Nachhaltige Landwirtschafts- und Ernährungssysteme. 30./31.3.2017. HTW. Chur, Schweiz. S. 64-65.

  • Nigmann, T., Hovorka, G. und Dax, T: (2017) Analyse von biologischer Heumilchproduktion zur Erbringung Öffentlicher Güter im österreichischen Berggebiet, Poster bei der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie (SGA), 30.-31. März 2017, Chur.

  • Hovorka, Gerhard (2016) LE07-13 Ex-Post-Evaluierung. M211 und 212 Ausgleichszahlungen für naturbedingte Nachteile zugunsten von LandwirtInnen in Berggebieten und benachteiligten Gebieten, die nicht Berggebiet sind. Juli 2016. 58 Seiten. Wien.

  • Wiesinger, Georg (2015) Green Care und Soziale Landwirtschaft, In: Nationalpark Hohe Tauern, Nationalparkakademie: Anders wirtschaften - Chancen und Möglichkeiten im Berggebiet, 9. bis 10. April 2015, Tagungsband, Nationalparkzentrum Mallnitz, S. 48-54

  • Hovorka Gerhard (2015) Weniger Produktion – Weniger Lohn. Beitrag im Tagungsband der Tagung der Nationalpark-Akademie „Anders wirtschaften – Chancen und Möglichkeiten im Berggebiet. 9.-10. April 2015 im Nationalparkzentrum Mallnitz. Hg.: Sekretariat des Nationalparkrates Hohe Tauern. Matrei in Osttirol. S. 5-7. www.hohetauern.at/images/dateien-hp/2015/Rat/20150521-Tagungsband_end_web.pdf

  • Hovorka Gerhard (2015) Weniger Produktion – Weniger Lohn. Beitrag im Tagungsband der Tagung der Nationalpartk-Akademie „Anders wirtschaften – Chancen und Möglichkeiten im Berggebiet. 9.-10. April 2015 im Nationalparkzentrum Mallnitz. Hg.: Sekretariat des Nationalparkrates Hohe Tauern. Matrei in Osttirol. S. 5-7. www.hohetauern.at/images/dateien-hp/2015/Rat/20150521-Tagungsban_end_web.pdf

  • Hoppichler, Josef (2014) Vom Wert der Biodiversität – Wirtschaftliche Bewertungen und Konzepte für das Berggebiet. In Der Alm- und Bergbauer 5/14. S. 14-16

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  • Tamme, Oliver (2013): Klimawandel im österreichischen Berggebiet: Schwerpunkt Almen. Ursachen – Auswirkungen – Anpassungsmaßnahmen. In: Tagungsband „Die Almen im Spannungsfeld – Tagung der Nationalpark Akademie“, Mallnitz, 4.-5. April 2013, S. 30-34.

  • Hoppichler Josef (2013): Vom Wert der Biodiversität – Wirtschaftliche Bewertungen und Konzepte für das Berggebiet. Forschungsbericht Nr. 67, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, August 2013

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  • Tamme, Oliver (2012): Klimawandel im österreichischen Berggebiet. Forschungsbericht Nr. 65, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, Juni 2012

  • Dax, Thomas (2012): Lessons from Alpine space activities for integrative regional development in mountain regions. Poster-paper at the Conference „Planet under Pressure“ Session: “Mountains as Arenas for Adaptation to Global Change”, London, 10pp., March 26-29 2012. http://www.berggebiete.at/cms/images/stories/berggebiet/planet_london_paper_dax_2.pdf

  • Groier, Michael, Gmeiner, Philipp (2011): Die Zukunft der biologischen Landwirtschaft im Berggebiet. In: Ländlicher Raum. Nov. 2011

  • Groier, Michael und Gmeiner Philipp (2010):Biologische Landwirtschaft im Berggebiet. Teil II. Regionale Aspekte der Entwicklung der Biolandwirtschaft. In: Der Alm- und Bergbauer. März/April 2010

  • Groier, Michael und Gmeiner Philipp (2010): Biologische Landwirtschaft im Berggebiet. Teil V. „Bio“ und „Regional“ = Bioregion. In: Der Alm- und Bergbauer. August/September 2010

  • Groier, Michael und Gmeiner Philipp (2010): Biologische Landwirtschaft im Berggebiet. Teil I. Zur Entwicklung der biologischen Landwirtschaft im Berggebiet. In: Alm- und Bergbauer, Jänner 2010

  • Groier, Michael und Gmeiner Philipp (2010): Biologische Landwirtschaft im Berggebiet. Teil III. Entwicklungen am Biomarkt. In: Der Alm- und Bergbauer. April/Mai 2010

  • Groier, Michael und Gmeiner Philipp (2010): Biologische Landwirtschaft im Berggebiet. Teil IV. Betriebswirtschaftliche Aspekte. In: Der Alm- und Bergbauer. Juni/Juli 2010


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