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Vom Bergbauerninstitut zum Kompetenzzentrum für Berggebietsforschung

25 Jahre BABF
Fünfundzwanzig Jahre Bundesanstalt für Bergbauernfragen ist ein Anlass innezuhalten und zurückzublicken auf geleistete Arbeit, auf Erfolge und Misserfolge, auf Meilensteine und auch Mühlsteine. Die Gründung, die Entwicklung und die Arbeit der BA für Bergbauernfragen sind eng verbunden mit der Entwicklung der Landwirtschaft und den zentralen agrar- und regionalpolitischen Themen der letzten dreißig Jahre.

 

Zur Vorgeschichte:
Die Chance der "Tabuverletzer" und "Außenseiter"

Die Einkommensentwicklung in der Landwirtschaft, der Anstieg der inneragrarischen Disparität und die Auseinanderentwicklung der Regionen waren zentrale Themen der agrar- und regionalpolitischen Diskussion von Anfang der 70er Jahre bis Ende der 80er Jahre. Die Regierung Kreisky versuchte mit einer differenzierten Agrarpolitik - Start des ersten "Bergbauernsonderprogrammes" im Jahr 1972 - und der Förderung der eigenständigen Regionalentwicklung - Einrichtung der "Sonderaktion des Bundeskanzleramtes zur Stärkung entwicklungsschwacher ländlicher Räume in Berggebieten Österreichs" - diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Die Agrarwissenschaft in den siebziger Jahren war einheitlich konservativ und nur an Fragen des allgemeinen Strukturwandels, der Agrarmarktentwicklung und -steuerung und der durchschnittlichen Einkommensentwicklung der Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren und Berufsgruppen interessiert. Fragen zur inneragrarischen und regionalen Disparitätsentwicklung wurden nicht nur aufgrund mangelnden wissenschaftlichen Interesses nicht untersucht, sie waren geradezu mit einem ausgrenzenden Tabu belegt. Wie in jeder Gemeinschaft so wurde auch in der Zunft der Agrarwissenschafter und der konservativen Agrarpolitiker ein Tabubruch hart sanktioniert. Einen solchen Tabubruch beging Mitte der 70er Jahre Dozent Karl Bochsbichler von der Universität für Bodenkultur indem er in Zusammenarbeit mit der neugegründeten Österreichischen Bergbauernvereinigung mehrere Analysen über die Situation und Entwicklungsmöglichkeiten der Bergbauernbetriebe publizierte . Zur gleichen Zeit begann am Institut für Höhere Studien in Wien ein kleiner Kreis von Wissenschaftern verschiedener sozialwissenschaftlicher Disziplinen  sich kritisch mit dem österreichischen Agrarsystem auseinander zu setzen. Von ihnen wurde untersucht : die Entwicklung und Struktur des österreichischen Agrarsystems; die strukturellen Überschüsse und die Mängel der traditionellen Markt- und Preispolitik; die inneragrarischen und regionalen Disparitäten; die wirtschaftliche Situation peripherer ländlicher Regionen und die Mängel der traditionellen Regionalpolitik; die ökologischen Gefahren der konventionellen Intensivlandwirtschaft und die soziale Lage der bäuerlichen Bevölkerung und die Mängel im System der Sozialpolitik. Die Wissenschafter am Institut für Höhere Studien konnten recht unbefangen, ohne die Sichtweise einengende Hypothek einer konservativen agrarwissenschaftlichen Sozialisation, an die Analyse des österreichischen Agrarsystems herangehen. Sie hatten nicht an der Universität für Bodenkultur sondern in der Zeit der Studentenbewegung Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre an der Universität Wien verschiedene Fächer (Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) studiert. Sie waren geprägt vom kritischen Geist der Studentenbewegung, in der sie alle aktiv waren. Für sie gab es keine Tabus und das von den Sozialwissenschaften weitgehend unbearbeitete Feld der Landwirtschaft, der Bauern, der bäuerlichen Kultur, der ländlichen Gesellschaft und der Sozialgeschichte der Bauern boten einen besonderen Reiz. Anfänglich von den konservativen Agrarwissenschaftern ignoriert oder als "Außenseiter, die nichts von der Landwirtschaft verstehen"  abgetan und als "linke Marxisten" beschimpft, haben sie mit der Veröffentlichung der Studie über das österreichische Agrarsystem einen beachtlichen Diskurs in der Agrarpolitik und in den Agrarwissenschaften ausgelöst und erstaunlich rasch nationale und internationale Bekanntheit erreicht. Die Studie "Das österreichische Agrarsystem" wurde neben der "Analyse einer Ausbeutung - die Geschichte und das politische Bewusstsein der Bauern"  zu einem "Klassiker" einer neuen kritischen Wissenschaftergeneration und der im Nachziehverfahren an den der Universität für Bodenkultur entstanden sehr aktiven aber klein gebliebenen Studentenbewegung .

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Kompetenzzentrum

weiterführende Literatur

  • Hoppichler Josef und Krammer, Josef: Biosprit eine Schnapsidee? Kommentar in der Zeitung \"aktuell\" der Land&Forstbetriebe Österreich. Juni/Juli 2008

  • Hager, M./Hovorka, G. (Red.): Sichtbare Spuren. WeggefährtInnen von Josef Krammer und der BA für Bergbauernfragen erinnern sich. Forschungsbericht Nr. 60, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, März 2008, 271 S.

  • Loibl, E./Krammer, J.: Das Politische ist persönlich, das Persönliche ist politisch. Zeitzeugen der Agrarpolitik. Forschungsbericht Nr. 58, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, Oktober 2007, 201 S.

  • Krammer, Josef (2007): Gedanken zu Zeit und Wissenschaft. In: Oedl-Wieser, Theresia (Red.): Zeitreisen(de) im ländlichen Raum – Diskurse § Re.Visionen. Forschungsbericht Nr. 57 der Bundesanstalt für Bergbauernfragen. Wien. 203-208.

  • Krammer, Josef und Hovorka, Gerhard: Interessenorganisationen der Landwirtschaft: Landwirtschaftskammern, Präsidentenkonferenz und Raiffeisenverband; in: Dachs/Gerlich/Gottweis/Kramer/Lauber/Müller/Tálos (Hrsg.): Politik in Österreich. Das Handbuch; Wien 2006, S. 480-492

  • Dr. Josef Krammer Dipl. Ing. Thomas Dax Dr. Gerhard Hovorka Dr. Josef Hoppichler Allgemeine Anmerkungen zum Pfeil 05 bzw. Pfeil 10 (Forschungsprogramm des BMLFUW)

  • Krammer, Josef: Landwirtschaftliches Organisations- und Förderungswesen, Lernbehelf, Wien, Oktober 2005

  • Hovorka, Gerhard und Krammer, Josef: „GAP Reform 2003. Hintergründe, Inhalt und Durchführung der GAP Reform 2003“, Skriptum für die BOKU bzw. Bundesseminar, Mai 2004

  • TAMME, O., Bacher, L., DAX, Th., HOVORKA, G., KRAMMER, J. und Wirth, M.: „Der Neue Berghöfekataster – Ein betriebsindividuelles Erschwernisfeststellungssystem in Österreich“, in: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitschrift des BMLFUW, Ausgabe 1-2/2003, Wien 2003, www.laendlicher-raum.at

  • GROIER, Michael: Expertise „Überlegungen zu einem Bio-Kompetenzzentrum Burgenland (BIO-KOM-B)“, Jänner 2002

  • HOVORKA, Gerhard und KRAMMER, Josef: „Halbzeitbewertung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)“, Vorlesungsunterlage, Oktober 2002

  • Facts&Features Nr. 23: „Der Neue Berghöfekataster. Ein betriebsindividuelles Erschwernisfeststellungssystem in Österreich“, vom Tamme O., Bacher L., Dax T., Hovorka G., Krammer J., Wirth M.; Wien Dezember 2002, 32 Seiten

  • KRAMMER, Josef: „Erfolg ist kein Zufall – 20 Jahre BA für Bergbauernfragen“, in: Hovorka, G. (Hg.): Zukunft mit Aussicht, Beiträge zur Agrar-, Regional-, Umwelt- und Sozialforschung im ländlichen Raum, Forschungsbericht Nr. 45, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien 2000

  • Facts&Features Nr. 12: Agrar- und Regionalpolitik der EU – Foliensammlung, von Josef Krammer, 3. überarbeitete und völlig neu konzipierte Auflage mit 55 Folien, 32 Seiten, Wien, November 2000

  • KRAMMER, Josef: Agrar- und Regionalpolitik der EU – 4. Ergänzung zur Foliensammlung, Wien, Jänner 2000

  • Hoppichler, Josef, Krammer, Josef (1999): Was wird aus Österreichs Bauern. Die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft. In: Umwelt und Bildung 2/99. Wien. 9-12.

  • Hoppichler, Josef, Krammer, Josef (1996): Was wird aus Österreichs Bauern? In: Brandstaller, Trautl (1996) (Hrsg.): Österreich 2 ½, Anstöße zur Strukturreform. Wien.


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