BF124/09: Erreichbarkeit und Mobilität im ländlichen Raum

Im Forschungsbericht „Versorgung gefährdet“ der BA für Bergbauernfragen hat sich gezeigt, dass Mobilität, Erreichbarkeit und Verkehr Schlüsselfaktoren der ländlichen Entwicklung sind, die einer weiteren Vertiefung bedürfen. Die Thematik wird dementsprechend als zentrale Priorität im Alpine Space Programm (Priorität 2: Zugänglichkeit, innovative Mobilitätsmodelle bzw. nachhaltiger Verkehr) untersucht, sowie im österreichischem Raumentwicklungskonzept (ÖREK 2001) und in lokalen Strategiekonzepten (Lokale Agenda 21) thematisiert.

Im Sinne einer besseren Abstimmung mit den Raumordnungsagenden und dem Trend zu einer verkehrsträgerübergreifenden Betrachtung sollen die vorliegenden Erreichbarkeitsstudien und diverse Landesverkehrskonzepte einer Analyse unterzogen werden. Darüber hinaus wurde eine Fülle von lokalen und regionalen Initiativen gestartet, die „sanfte Mobilität“ zum Ziel haben. Bei erfolgreichen Projekten auf regionaler und lokaler Ebene („Best practice“) können die Erfolgsfaktoren analysiert und beschrieben werden.

 

Aus standörtlicher Sicht werden Erreichbarkeiten durch Infrastrukturen und räumliche Verknüpfungen der Siedlungs-/Nutzungsbereiche bedingt. Sie ermöglichen damit Marktzugang, Freizügigkeit und kulturellen Austausch, individuelle Bewegungsfreiheit und Lebensqualität. Dies ist ein wesentlicher Faktor ländlicher Entwicklung und kommt der lokalen und überregionalen Bevölkerung (z.B. im Freizeit und Tourismusverkehr) zu gute. Benachteiligte, dünn besiedelte oder strukturschwache Regionen sind besonders auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen. Die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK) hat wiederholt den Zusammenhang zwischen Bevölkerungsentwicklung, Abwanderung und verkehrlicher Erschließung (Erreichbarkeit) hervorgehoben.

Mobilitätsverhalten und Mobilitätsbedürfnisse haben aber auch zu kontraproduktiven Entwicklungen wie Verkehrsüberlastung, Beeinträchtigung der Bevölkerung entlang stark frequentierter Verkehrsrouten, Zersiedelung der Landschaft, Betriebsgründungen auf der „grünen Wiese“ bei gleichzeitiger Verödung gewachsener Strukturen in den Ortskernen, geführt. In Summe führen die raumstrukturellen Veränderungen zu mehr Verkehr über größere Distanzen. Dem entspricht die hohe Pkw-Abhängigkeit der ländlichen Bevölkerung.

Gleichzeitig entspricht die räumliche und zeitliche Aufsplitterung der Verkehrsnachfrage (bedingt in erster Linie durch Zersiedelung, Trennung von Arbeits- und Wohnort etc.) immer weniger dem Angebot des öffentlichen Verkehrs. Probleme entstehen vor allem für nicht-mobile Menschen: Kinder und Jugendliche, Alte und Frauen ohne eigenem Pkw. Für diese Personengruppen ist die Frage der Mobilität, die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten in angemessener Entfernung und Zeit von großer Bedeutung, welche für die Entwicklungsoptionen ländlicher Regionen eine zentrale Rolle einnimmt.

Projekt

abgeschlossen